Stoische Zitate über Einsamkeit und den Geist als Zufluchtsort
Marc Aurel bemerkte, dass Menschen sich Rückzugsorte auf dem Land, an der Küste und in den Bergen suchen — und dass er sich jederzeit an einen ruhigeren Ort zurückziehen könne: in sich selbst. Für ein lautes Leben ist das einer der brauchbarsten Gedanken des Stoizismus. Einsamkeit heißt hier nicht Isolation und nicht Menschenfeindlichkeit, sondern die Fähigkeit, in einen eigenen, geordneten Raum zurückzukehren, ohne die Stadt zu wechseln. Diese Passagen handeln von dieser inneren Burg, von Stille als Übung und davon, warum sich die eigene Gesellschaft einüben lässt.
18 Passagen — Marc Aurel, Seneca, Epiktet
Es gibt keinen Ort, an den du dich mit mehr Ruhe oder mehr Freiheit von Sorge zurückziehen kannst als in deine eigene Seele — besonders wenn du in dir Gedanken trägst, die sogleich Stille bringen.
Marc Aurel · Selbstbetrachtungen IV.3
Ob die Götter jedem von uns einen eigenen Hüter bestimmt haben oder ob wir der Hand des Schicksals überlassen sind — kein schwererer Fluch kann einen Menschen treffen, als ihm zu wünschen, mit sich selbst zerfallen zu sein.
Seneca · Brief CX.1 (ON TRUE AND FALSE RICHES F rom my v)
Wie Zeus bei sich selbst weilt und ruhig ist und Gedanken denkt, die ihm angemessen sind, so sollten auch wir mit uns selbst reden, die anderen nicht bedürfen und beobachten, wie die Dinge uns jetzt berühren.
Epiktet · Diatriben 41.1
Ziehe dich in dich selbst zurück. Der vernünftige Teil in dir hat dieses Wesen: Er ist mit sich zufrieden, wenn er das Gerechte tut, und sichert sich eben dadurch seine eigene Ruhe.
Marc Aurel · Selbstbetrachtungen VII.28
Wenn du diese Dinge immer wieder erwägst, wirst du dich mühen, in Wahrheit glücklich zu sein statt nur glücklich zu scheinen — und es zuerst dir selbst zu scheinen, nicht den anderen.
Seneca · Brief CX.1 (ON TRUE AND FALSE RICHES F rom my v)
Der von Leidenschaften freie Geist ist eine Festung; der Mensch hat keine sicherere Zuflucht, zu der er fliehen könnte. Wer dies nicht gesehen hat, ist unwissend; wer es sieht und nicht dort Zuflucht sucht, ist unglücklich.
Marc Aurel · Selbstbetrachtungen VIII.48
Du brauchst den Lohn einer rechtschaffenen Tat nicht anderswo zu suchen — die Tat selbst bringt den besseren Ertrag. Halte diesen Gedanken fest: Es macht keinen Unterschied, wie viele Zeugen um deine Redlichkeit wissen.
Seneca · Brief CXIII.1 (ON THE VITALITY OF THE SOUL AND ITS ATTR)
Wer seine Tugend zur Schau getragen sehen will, jagt nicht der Tugend nach, sondern dem Ansehen. Willst du nicht gerecht sein ohne Beifall? Oft musst du gerecht und zugleich beschämt sein — und der Weise nimmt solch wohlverdienten üblen Ruf mit Freude.
Seneca · Brief CXIII.1 (ON THE VITALITY OF THE SOUL AND ITS ATTR)
Sorge für die Seele. Aus der Seele steigen unsere Gedanken, unsere Worte, unsere Haltungen, unsere Mienen, selbst unsere Art zu gehen. Ist die Seele gesund, so ist der Ausdruck kraftvoll; gerät die Seele ins Wanken, stürzt alles Übrige ein.
Seneca · Brief CXIV.1 (ON STYLE AS A MIRROR OF CHARACTER Y)
Hier ist eine kurze Probe, um dich an ihr zu messen: Du bist bei deinem eigenen Leben angelangt, wenn du erkennst, dass jene, die die Welt glücklich nennt, in Wahrheit die unglücklichsten von allen sind.
Seneca · Brief CXXIV.1 (ON THE TRUE GOOD AS ATTAINED BY REASON)
Prüfe dich: Wenn kein Kummer dich niederdrückt, wenn keine Angst vor dem Kommenden an deinem Geist zerrt, wenn deine Seele standhält — aufrecht und mit sich im Frieden — dann hast du das höchste Gut.
Seneca · Brief LIX.1 (ON PLEASURE AND JOY)
Bedenke dies: Die Weisheit bringt eine Freude hervor, die nicht bricht noch endet. Der Geist des Weisen ruht wie der Himmel über dem Mond, wo ungebrochener Friede herrscht. Suche die Weisheit — die Freude verlässt den Weisen nie.
Seneca · Brief LIX.1 (ON PLEASURE AND JOY)
Du erkennst, dass der Friede in dir wohnt, wenn kein Getöse dein Ohr erreicht, wenn kein Wort — Lob oder Drohung, leeres Geräusch oder beständiges — dich von deinem eigenen Boden schütteln kann.
Seneca · Brief LVI (On Quiet and Study)
Lebe, als sähe dich jeder Mensch; denke, als könnte jemand geradewegs in deine Seele blicken — denn jemand kann es. Was nützt es, dass etwas vor den Menschen verborgen ist?
Seneca · Brief LXXXIII.1 (ON DRUNKENNESS)
Du erklärst, wie Höhe und Tiefe zusammenklingen, wie Saiten verschiedener Töne zu einer Harmonie verschmelzen. Doch lehre mich lieber, meine Seele in Einklang mit sich selbst zu bringen, damit meine Ziele nicht falsch klingen.
Seneca · Brief LXXXVIII.1 (ON LIBERAL AND VOCATIONAL STUDIES)
Was solltest du als besonders zu meiden ansehen? Die Menge. Du kannst dich ihr noch nicht mit Sicherheit anvertrauen. Ich gestehe meine eigene Schwäche ein — nie bringe ich denselben Charakter heim, den ich nach draußen mitgenommen habe.
Seneca · Brief VII (On Crowds)
Ziehe dich so weit in dich selbst zurück, wie du nur kannst. Halte Umgang mit Menschen, die dich besser machen. Heiße die willkommen, denen du helfen kannst, besser zu werden. Der Fluss läuft in beide Richtungen — wir lehren, während wir lernen.
Seneca · Brief VII (On Crowds)
Es gibt keinen Grund, die Hände zum Himmel zu erheben, keinen Grund, einen Tempelwächter zu bitten, unsere Gebete an das Ohr des Götzen zu tragen. Gott ist gleich neben dir — mit dir, in dir.
Seneca · Brief XLI (On the God Within Us)
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